„Solange wir uns auf uns selbst konzentrieren, werden wir erfolgreich sein!“

Dieses Credo gibt der Head Coach faktisch in jedem Satz vor – es geht nicht äußere Einflüsse, sondern das beste zu kreieren und darzustellen, dass man sich gar nicht darum sorgen muss, was ggf. um einen herum passiert. CB Cantwell, der Mann, der 2020 eigentlich das GFL2-Team der Spiders als Quarterback in die GFL hätte bringen sollen, dann durch Corona aber schmerzlich diese Chance verpassen musste. Im Sommer 2020, als viele Mannschaften und Sportvereine schlimme Tiefschläge einstecken mussten, entschieden die Verantwortlichen, die US-Imports zu behalten, um das Programm weiterhin zu entwickeln. CB tat hier einen großen Teil, nicht nur als Spieler, später dann auch als Offensive Coordinator und vor allem im Nachwuchsbereich und in der Öffentlichkeitsarbeit.

Im Frühjahr 2022 entschied dann die sportliche Leitung, dass man einen zweiten Quarterback benötigt, der im Notfall sofort einspringen könnte und ggf. zu den Play-Offs der Mannschaft neue Impulse bringen würde – im August 2022 war Cantwell dann zurück in Straubing, half der Mannschaft überall wo es nur ging, spielte in den Special Teams, als Wide Receiver und dann in Schwäbisch Hall am letzten Spieltag auch als Quarterback, wo er selbst sagte, dass ein Wunsch in Erfüllung ging, nochmal als Playcaller auf das Feld zu gehen und mit den Spiders ein Pflichtspiel zu absolvieren. Vier Wochen später stellte ihn Sportchef Oliver Helml als neuen Head Coach vor. Eine große Aufgabe, auf die sich der US-Amerikaner jedoch nicht nur freut, sondern auch klare Visionen vor Augen hat:

SRS Football: CB, nach drei Jahren insgesamt mit Head Coach Max Macek, bist du der neue Kapitän an Deck. Du hast mit Max im Sommer 2020 & 2022 zusammengearbeitet, hattest viele Gespräche mit ihm geführt. Was ist der Unterschied zwischen dem Head Coach Max und dem Head Coach Cole-Bailey?

CB Cantwell: Der Unterschied ist, dass ich ein „Offense-Coach“ bin, d.h. meine persönlichen Coaching-Vorzüge und Stärken liegen in der Offense. Daher werde ich auch als Offensive Coordinator auftreten, wie es Max in der Defensive gemacht hat die letzten Jahre. Ich habe jedoch die Zeit sehr mit Max genossen, er und die sportliche Leitung haben mir die Chance gegeben, zurückzugeben zu der Mannschaft, in der ich bereits 2020 sein wollte. Ich habe mich bereits damals in Straubing und die Umgebung verliebt und jetzt, wo Niederbayern meine neue Heimat wird, werde ich ihm diese Chance und dieses Engagement nicht vergessen.

SRS Football: Das Programm in Straubing war enorm erfolgreich im letzten Jahrzehnt – im Jahr 2010 stand man mit einem Bein in der 5. Liga, 2022 spielte man gegen den späteren deutschen Vizemeister in den Play-Offs und gehörte zu den 8 besten Teams in Deutschland. Es gibt einfachere Nachfolgen anzutreten, speziell in seinem ersten Jahr als Head Coach. Wo glaubst du, liegt der Schlüssel zum Erfolg für das Team?

CB Cantwell: Wie definiert man im Sport eine erfolgreiche Saison? Natürlich – durch Siege. Und genau das muss unser Ziel sein, dass wir als Straubing Spiders jedesmal das Feld betreten, mit dem Willen, diese Partie zu gewinnen – egal wer der Gegner ist. Aber das Scoreboard ist für mich nur ein Teil einer erfolgreichen Saison. Meine Arbeit und mein Ziel ist es, dass wir nicht nur auf dem Feld siegen, sondern auch daneben, wie agieren wir als Menschen, wie arbeiten wir in der Gemeinde mit, was tun wir dafür, dass der Verein von innen nach außen funktioniert, wo helfen wir in Schulen oder in anderen Projekten? Das alles muss Teil eines Programmes sein, damit man im Herbst 2023 sagen kann – wir haben eine erfolgreiche Saison erlebt. Wenn wir diese Dinge mit Stolz und dem richtigen Engagement betreiben, dazu hart trainieren und uns voll auf das vorbereiten, was vor uns liegt, bin ich sicher, die Straubing Spiders werden den richtigen Weg einschlagen.

SRS Football: Die deutsche bzw. europäische Football-Landkarte verändert sich seit 2021 mit der Gründung der ELF. Nachdem bisher zwei Jahre unberührt, wurde nun mit der Gründung der Munich Ravens das erste bayerische Team in der ELF gegründet, man spricht bereits von über 400 Anmeldungen für das Inaugrual Tryout. Hast du Sorge, dass die Munich Ravens es erschweren, ein GFL-Programm aufzubauen, wie du es dir vorstellst?

CB Cantwell: Wie im Football oder im Leben gilt – was du nicht kontrollieren kannst, sollte dir keine Sorgen bereiten. Das sorgt nur für Stress und Unsicherheit. Unser Ziel in Straubing ist simpel – wir wollen eine Umgebung schaffen, in der jeder Spieler, Coach, Fan, Cheerleader oder eben jeder der beteiligt ist, das beste Ich aus einem rausholen kann. Die Aktiven, die Teil eines Programmes werden wollen, werden das beste Coaching und die besten Möglichkeiten haben, erfolgreich und besser zu werden. Unser Augenmerk liegt nur auf Straubing – solange wir uns darauf konzentrieren und das kontrollieren, was wir kontrollieren können, werden wir auch erfolgreich sein!

SRS Football: Die Coaching Staff der Unicorns hat das erfolgreichste Programm der letzten 10 Jahre im Süden verlassen in Richtung ELF und Stuttgart Surge. Siehst du nun am Horizont eine neue Mannschaft, die diese Schuhe füllen könnte und wo siehst du Straubing in diesem Mix?

CB Cantwell: Ich denke, die Saison 2023 wird noch spannender, als wir sie bereits vorhergesehen haben. Wenn man auf die Teams schaut im Süden, könnte durch richtige und konsequente Arbeit 4-5 Teams die Chance haben, sich oben zu festigen. Ich bleibe dabei – wir fokussieren uns nur auf uns, da stellen sich viele Dinge von selbst ein. Ich wollte als Spieler immer auf dem höchsten Level spielen und das gilt jetzt auch als Head Coach. Egal wer uns nun gegenüber steht, welcher Coach noch in die ELF wechselt oder nicht – wir konzentrieren uns auf Spiders Football.

SRS Football: Zum Abschluss Coach – wo landen die Spiders in der Saison 2023?

CB Cantwell: Das Schöne am Football ist doch, dass jeder auch jeden schlagen kann. Ich denke, das gilt 2023 noch mehr als 2022. Das disziplinierteste und best vorbereitete Team gewinnt im Normalfall am Ende das große Ganze. Und genau das ist unser Ziel.

Interview: Max Andorfer